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LAG Mecklenburg-Vorpommern
Nachruf für Dr. Wolfgang Mewes von Günter Nowald
© Andreas Lehrmann

Wir trauern um unseren Freund und Wegbegleiter Wolfgang Mewes, der plötzlich und unerwartet am 20.10.2022 an den Folgen einer Coronainfektion verstorben ist.

Er wurde am 26.10.1942 in Zarrentin geboren und verbrachte den ersten Teil seiner Kindheit in der Region des Schaalsees.

 

Nach seinem Studium arbeitete er von 1965 – 1990 als Lehrer für Biologie und Sport in der Schule seines Heimatortes Karow in Mecklenburg-Vorpommern. Sein Berufsweg war alle Zeit vom außerordentlichen Naturinteresse begleitet und so war er zunächst in der ehrenamtlichen Naturschutzarbeit aktiv. Wolfgang war Gründungsmitglied der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern und einer der Gründungsväter des NABU-Kreisverbandes Parchim.  Von 1990 bis 2005 war Wolfgang Aufbauleiter und anschließend Leiter des Naturparkes Nossentiner/Schwinzer Heide in Karow.

 

Eine besondere Hinwendung galt lebenslang dem charismatischen Kranich. In Vorbereitung der Erarbeitung der Vogelwelt Mecklenburgs (Klafs u. Stubs 1977) übernahm Wolfgang Mewes Ende 1969 die Artbearbeitung für den Kranich von Gerhard Meyer. Mit Beginn des Jahres 1978 nahm im Bezirk Schwerin die BAG „Gefährdete Tierarten“ ihre Arbeit auf. Die Leitung der BAG bestand aus Wolfgang Mewes, Gunter Schieweck und Peter Hauff. Dazu kamen die örtlichen Betreuer der Seeadler, Fischadler und Schwarzstörche sowie die „Kreisbeauftragten für Kranichschutz“.

Im Auftrag des Arbeitskreises zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Tiere der DDR (AKSAT) arbeiteten ausgewählte Artenkenner auf Bezirksebene und darüber hinaus zusammen. Der Artbearbeiter für den Kranich war der Lehrer Walter Libbert. Mit einer Fragebogenaktion versuchte er, die Brutvorkommen zu erfassen, was jedoch nur in Ansätzen gelang. Erst mit der Berufung von Dr. Hartwig Prange (1971) und Wolfgang Mewes (1972) in das Gremium wurde langsam ein Betreuernetz zur Erfassung von Kranichbrutplätzen und zur Überwachung von Kranichsammel- und Rastplatzen aufgebaut. Das war die Keimzelle für die Gründung der „Kranicharbeitsgruppe der DDR“, in der Brut, Sammeln, Rast, Zug und Überwintern seit Mitte der 1970er Jahre zunehmend landesweit durch eine wachsende Anzahl ehrenamtlicher Mitarbeiter erfasst und schließlich in Jahresberichten bis in die Gegenwart niedergelegt wurden. Diese Gruppe war wiederum die Basis für die Vereinigung der ost- und westdeutschen Kranichexperten und -schützer 1991 in der „Arbeitsgemeinschaft Kranichschutz Deutschland“, die von NABU und WWF sowie von der Deutschen Lufthansa AG getragen und gefördert wurde.

Dr. W. Mewes ist Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft „Kranichschutz Deutschland“ (AG KD) - Am 12.01.1991 wurden von Carl-Albrecht von Treuenfels (Präsident WWF), Dr. Hartwig Prange, Klaus Dürkop (Präsident NABU), Wolfgang Pflugradt, Thomas Neumann und Wolfgang Mewes in Mölln noch einmal Details zur AG KD besprochen. Zu einem ersten Zusammentreffen mit den Kranichschützern C. A. v. Treuenfels und Th. Neumann aus der BRD kam es bereits im September 1989 während der 2. Europäischen Kranichtagung in Tallinn im heutigen Estland.

Ab 2006 war Wolfgang Sprecher der Arbeitsgemeinschaft „Kranichschutz Deutschland“. Zudem war er bis 2013 Koordinator für die Erfassung von Brutpaaren des Kranichs in Deutschland.

Von 1995-96 übernahm er mit Günter Nowald maßgeblich die Planung und Realisation des Kranich-Informationszentrums in Groß Mohrdorf (heute NABU-Kranichzentrum), welches am 26.09.1996 feierlich eröffnet wurde. Am 11.09.1996 trafen sich Dr. Reinhard Bartels als Vorstandsmitglied und Schatzmeister des NABU e. V. sowie Uwe Hüser, Geschäftsführer des NABU und als bevollmächtigter Vertreter der Umweltstiftung WWF Deutschland in Köln beim Notar, um die gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung „Kranichschutz Deutschland“ zu gründen. Beide Verbände wurden Gesellschafter der GmbH, Dr. Wolfgang Mewes erhielt am 01.10.1996 einen Vertrag als Geschäftsführer der Kranichschutz Deutschland gGmbH, der von J. Flasbarth für den NABU und von C.-A. v. Treuenfels für die Umweltstiftung unterzeichnet wurde. 2009 gab er das Amt als ehrenamtlicher GF der KD gGmbH ab.

Am 09.09.1995 gründete er die Landesarbeitsgruppe (LAG) Kranichschutz M-V in der Naturparkverwaltung in Karow. Wolfgang Mewes war bis zu seinem Tode der Vorsitzende der LAG und organisierte jährlich die Kranichtagung MV.

Bis zum Schluss widmete er sich hoch engagiert und voller Wissensdrang der Kranichforschung. Wolfgang veröffentlichte unzählige Fachbeiträge in verschiedenen Journalen und in den Proceedings internationaler Kranichkonferenzen, an denen er vor allem in Europa und Asien teilnahm. Er war auch Initiator von Sonder- und Schwerpunktheften zum Kranich. Gemeinsam mit Hartwig Prange und Günter Nowald entstand 1996 zudem das Buch „Kraniche – Mythen, Forschung, Fakten“.

Wolfgang war ein engagierter Verfechter und Wegbegleiter für unsere gemeinsame Sache, dem Schutz der Natur und der Kraniche, zu denen er lebenslang eine besondere Hinwendung pflegte.

Ohne das Wirken von Dr. Wolfgang Mewes, hätte der Kranichschutz in Deutschland niemals diesen einzigartigen Stellenwert mit einem großen Netzwerk ehrenamtlicher Kranichschützer erhalten. Für den Aufbau der AG und des Kranichzentrums sowie für den Zusammenhalt der Kranichschützer war er ein besonderer Motor, Motivator und Ratgeber. Seine natürliche zugewandte Art, seinen großen Erfahrungsschatz, seine auf die Forschung gerichtete Hartnäckigkeit und seinen unglaublichen Fleiß, aber auch seine menschliche und humorvolle Art werden wir sehr vermissen. Wir werden Wolfgang immer als guten Freund und Fachexperten, als Organisator sowie als starke Persönlichkeit in dankbarer Erinnerung behalten und sein Andenken bewahren.

Unsere Anteilnahme und unser tiefstes Mitgefühl gelten jetzt seiner lieben Frau Ulrike, seinen Kindern Urte und Volker sowie den vier Enkelkindern und der Urenkelin.

Geschichte der LAG M-V

Seit über 50 Jahren werden im heutigen Mecklenburg-Vorpommern Kranichschutz und Kranichforschung betrieben. In den 1960er Jahren erfasste Gerhard Meyer aus Pamprin erstmals die Brutpaare und Karl-Heinz Moll aus Waren erforschte das Verhalten der Kraniche in der Müritzregion. Hellmuth Dost war einer der Ersten, der die Kranichrast auf der Insel Rügen beobachtete und in den 1960er Jahren die ersten Zählungen an Schlafplätzen vornahm.

© Sidney Smith
Die LAG M-V heute

Auf ihren Erkenntnissen baut die Arbeit der Landesarbeitsgruppe M-V auf, die heute aus etwa 100 aktiven Mitgliedern besteht. Sie beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit der Erfassung der Kranichbrutplätze und deren Schutz sowie der Überwachung der Sammel- und Rastplätze. Einige Mitarbeiter befassen sich mit wissenschaftlichen Fragen, z. B. mit der Kranichberingung. Das umfangreiche Wissen wurde 2014 in einem Sonderheft des Ornithologischen Rundbriefes M-V zusammengefasst.

Einmal im Jahr kommen die Mitglieder LAG Ende Februar/Anfang März im Karower Meiler (Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide) zusammen und tauschen sich über neue Erkenntnisse und Ergebnisse der Monitoringprojekte aus.

© H.-D. Graf
Brutvogelmonitoring

In M-V brüten heute die meisten Kraniche Deutschlands, etwa 45 % des Gesamtbestandes. Die ersten Erfassungen der Brutplätze machte Gerhard Meyer in den Jahren 1962-1967. Er verschickte Fragebögen an Ornithologen und Naturschutzbeauftragte. So ermittelte er etwa 200 Kranichpaare. Auf dieser Grundlage wurden in den 1970er Jahren in den Landkreisen weiterhin die Brutkraniche erfasst, wobei jeder Landkreis einen berufenen Beauftragten für den Kranichschutz hatte. 1992/93 wurde erstmalig die Grenze von 1.000 Paaren erreicht und heute siedeln etwa 5.000 Kranichpaare in M-V. Bis etwa 2005/06 gab es einen sehr starken Zuwachs im Brutbestand. Seit dem scheint sich die Bestandskurve etwas abzuflachen.

Der Bestandszuwachs war und ist mit der Verdichtung der Brutpaare, mit der Ausbreitung in die Küstenregion und mit der Eroberung des Offenlandes verbunden. Lag die Siedlungsdichte bis 1980 bei unter 2 Paaren/100 km², so stieg sie Anfang der 1990er Jahre auf 4,5 und liegt heute bei über 20 P./100 km². Die Küstenregion war anfangs nicht besiedelt, doch die Kranichpaare breiteten sich immer weiter nach Norden aus und Ende der 1990er Jahre gab es das erste BP auf der Insel Rügen. Durch das Monitoring mit vielen Helfern ist es gelungen, diesen beispiellosen Prozess fast lückenlos zu dokumentieren.

 

Mit Unterstützung der LAG M-V wurde 2011 die in den staatlichen Naturschutzbehörden eingesetzte Artendatenbank-Software MultiBaseCS weiterentwickelt. Mittlerweile sind durch die LAG M-V mehr als 15.000 Datensätze zu Kranichbrutplätzen und deren Besetzung in der Datenbank gespeichert. Aktuelle Kenntnisse zum Brutvorkommen stehen somit auch allen staatlichen Naturschutzbehörden als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung. Die Koordinierung erfolgt durch Andreas Lehrmann.

Verteilung der Kranich-Brutpaare in M-V (Andreas Lehrmann)
Monitoring der Sammel– und Rastplätze

In M-V sind über 100 regelmäßig beflogene Kranichschlafplätze bekannt, die seit 2020 in 25 Sammel- und Rastregionen gegliedert wurden. Die Kraniche werden an den Schlafplätzen zu festgelegten Terminen ab Anfang August (einheimische Sammler) bis zum Abzug der Kraniche (Sammler und Raster) von Mitgliedern der LAG erfasst. Die Daten erhält der Landeskoordinator Thomas Opitz.

M-V ist im europäischen Rahmen ein wichtiger Raum für rastende Kraniche, besonders im Herbst. Die Zahlen sind in den letzten 25 Jahren deutlich gestiegen, was auch mit den guten Schlafplatzbedingungen durch Renaturierung im Zusammenhang steht. Im Maximum wird M-V von ca. 190.000 Kranichen im Herbst als Rastraum genutzt.

© Andreas Lehrmann
Leitung der LAG M-V

Alle drei Jahre wählen die Mitglieder der LAG M-V einen neuen Vorstand. Ab 2022 sind das Dr. Wolfgang Mewes (Sprecher der LAG), Andreas Lehrmann (Landeskoordinator Brut), Thomas Opitz (Landeskoordinator Sammeln und Rast) und Dirk Seemann (Koordinator Probeflächenkartierung). Insgesamt hat der LAG noch zu wenig Mitarbeiter, um alle gewünschten Aufgaben erfüllen zu können. Deshalb ergeht hier der Aufruf an alle, die Interesse an unserer Arbeit haben, sich bei einer Kontaktperson zu melden.

Sammel- und Rastregionen des Kranichs in M-V (Andreas Lehrmann)
Kontakt

Andreas Lehrmann: kranichschutz[ät]icloud.com

Thomas Opitz:  opitz.thomas[ät]gmx.net

Dirk Seemann: dirk-warnow[ät]web.de

© Kranichschutz Deutschland 2017-2020

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