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Beringung
Markierung von Kranichen

Im zeitlichen Verlauf eines Jahres treten Kraniche in den meisten Ländern Europas als Brut- oder Zugvogel bzw. als Überwinterer in Erscheinung. Detailliertes biologisches Grundwissen zu bestimmten Lebensphasen dieser attraktiven Großvogelart fehlt weitestgehend. Mit Hilfe der Farbmarkierung und Besenderung sollen im Rahmen eines europaweiten Projektes Informationslücken geschlossen werden.

Um Kraniche individuell unterscheiden zu können, müssen sie markiert werden. Dies geschieht in Europa einheitlich mit Farbringen aus Kunststoff (Vereinbarungen der European Crane Working Group) und zusätzlich mit Sendern (Frequenzbereich liegt zwischen 148 und 149 Mhz). Sieben Farben (weiß, gelb, rot, blau, grün, schwarz, braun) stehen bei der Beringung zur Verfügung. Während das linke Bein für die Landeskennung vorgesehen ist, wird am rechten Bein die dreifarbige Individualkombination angebracht.

Damit können für den Kranichschutz wichtige Erkenntnisse über Zugwege, Winterquartiere, Verbreitung, Paartreue, Brut- und Territorialverhalten sowie Lebenserwartung gewonnen werden.

© Dr. Günter Nowald
Die Feldarbeit

Kranichfang ist Teamarbeit. Das Team besteht aus mindestens 4 Personen, die per Funkgerät miteinander Kontakt halten. Alle beteiligten Personen müssen darauf achten, dass sie nicht von den Kranichen entdeckt werden.

Man unterscheidet dabei Fänger, in der Regel zwei, und Beobachter der Kranichfamilie. Während sich die Fänger unter Ausnutzung vorhandener Deckung an die Kraniche heranpirschen, observieren die anderen Mitglieder den Familienverband mit einem oder zwei Jungvögeln. Haben die Läufer eine günstige Position erreicht, stimmen sie sich mit den Beobachtern ab. Diese fixieren jeweils den genauen Standort der Jungvögel und dann geht es los.

© Dr. Günter Nowald

Eins, zwei, drei und die beiden Läufer verkürzen den Abstand zu den Kranichen. Beim Anblick der Fänger erheben sich die Altvögel in die Luft und geben mit knurrenden Lauten den Jungvögeln zu verstehen, wie sie sich verhalten sollen.

Manchmal rennen die noch flugunfähigen Jungkraniche vor den Fängern davon, werden aber meist eingeholt. Meistens drücken sie sich in die Vegetation und sind dann von den Läufern nicht mehr zu sehen. Deshalb weisen die Beobachter die Fänger ein und dirigieren sie zu dem letzten Standort der Jungkraniche. Dort finden sie die Jungvögel tief geduckt am Boden liegen. Die Altvögel kreisen zunächst über dem Fangplatz, landen dann in sicherer Entfernung und beobachten das Geschehen.

Die gefangenen Kraniche bekommen zur Beruhigung eine schwarze Baumwollkappe über den Kopf gezogen. Nach der Markierung werden die Kraniche freigelassen und sind nach einigen Minuten wieder in den Familienverband integriert.

© Dr. Günter Nowald
Das Beringungssystem

Das Beringungsprojekt ist das Ergebnis von Vereinbarungen innerhalb der European Crane Working Group anlässlich der internationalen Kranichtagungen von Tallinn, Estland (1989), Orellana la Vieja, Spanien (1994) und Stralsund, Deutschland (1996).

Seit Mitte der 1980er Jahre wurde mit roten Kunststoffringen, die eine weiße Buchstaben-Zahlenkombination enthielten beringt. Ab 1990 erhalten Jungkraniche am rechten Bein eine Dreifarbkombination und am linken Bein eine Landeskombination, jeweils über dem Intertarsalgelenk. Neben diesen Kunststoffringen werden die Vögel mit einem Metallring der zuständigen Vogelwarte versehen.

© Karsten Peter
Die Beringung

Zur Markierung eignen sich am besten Jungvögel, da diese erst mit 10 Wochen flügge sind. Ausnahmsweise werden auch Altvögel gefangen. Sie durchlaufen im Abstand von drei bis vier Jahren eine Vollmauser und sind dann für ca. fünf Wochen flugunfähig.

Die aus zwei Hälften bestehenden Ringe, sind 2 cm breit und werden über dem Intertarsalgelenk durch Zusammendrücken befestigt. Am linken Bein wird die Landeskennung angebracht. Dies sind für Deutschland blau bzw. leicht veränderte Kombinationen. Rechts wird mit einem Drei-Farben-Code die Individualkennung angezeigt, wobei dieselbe Farbe nicht zweimal über einander angebracht werden darf.

Mit diesem „Personalausweis“ an beiden Beinen ausgestattet, ist der Kranich einzigartig und auf dem Zug durch Europa von den Ringablesern zu erkennen. Ablesungen farbmarkierter Kraniche in Europa können über die eigens dafür erstellte online-Datenbank iCORA gemeldet werden.

Die Beringung wird heutzutage durch Patenschaften mitfinanziert. Mit einer einmaligen Spende können Sie Pate eines Kranichs werden und nicht nur sein Leben mitverfolgen, sondern auch die Kranichforschung unterstützen.

© Kranichschutz Deutschland 2016

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